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Microsoft Clarity in der Praxis: Was Klick-, Scroll- und Aufmerksamkeitsdaten über eine Landingpage verraten

Lesezeit: 5 Minuten
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Google Analytics zeigt Ihnen, dass Besucher abspringen. Microsoft Clarity zeigt Ihnen, warum. Klassische Webanalyse liefert Zahlen zu Sitzungen, Absprungraten und Conversions – aber sie erklärt selten, was auf der Seite tatsächlich passiert. Genau diese Lücke schließen Heatmaps, Scroll-Analysen und Aufmerksamkeitsdaten. In diesem Beitrag zeigen wir am realen Beispiel der Landingpage von propspector.de.  Einem Tool zur automatisierten Prüfung von Immobilienunterlagen, wie sich aus drei Clarity-Ansichten konkrete Optimierungshypothesen ableiten lassen.

Warum Microsoft Clarity?

Microsoft Clarity ist ein kostenloses Webanalyse-Tool, das qualitatives Nutzerverhalten sichtbar macht. Statt reiner Kennzahlen liefert es visuelle Auswertungen: Wo klicken Menschen? Wie weit scrollen sie? Wo verweilen sie und wo überfliegen sie den Inhalt nur? Für die Conversion-Optimierung ist das Gold wert, weil sich Hypothesen dort ansetzen lassen, wo das Verhalten der Nutzer tatsächlich stattfindet und nicht dort, wo wir es vermuten.

Drei Perspektiven stehen dabei im Zentrum:

  • Klick-Heatmaps zeigen, welche Elemente Aufmerksamkeit und Interaktion auf sich ziehen und welche ignoriert werden.
  • Scroll-Analysen zeigen, wie viele Besucher welche Seitentiefe erreichen und an welcher Stelle sie abspringen.
  • Aufmerksamkeitsdaten zeigen, wie viel Zeit Besucher in den einzelnen Seitenabschnitten verbringen, also wo Inhalte wirklich gelesen und wo sie nur durchgescrollt werden.

Einzeln betrachtet ist jede dieser Ansichten hilfreich. Ihr eigentlicher Wert entsteht aber erst in der Kombination. Die schauen wir uns in dem folgenden Beispiel an.

Der Fall: Die Startseite von propspector.de

Propspector prüft Kaufunterlagen für Immobilien wie bspw. Grundbuch, Teilungserklärung, WEG-Protokolle, Wirtschaftsplan. Das Ganze automatisiert und in Sekunden. Die Startseite folgt einem klassischen Landingpage-Aufbau: eine prägnante Headline („Kauf die Wohnung. Nicht das Risiko.”), ein Produkt-Preview, Vertrauenssignale (DSGVO-konform, Hosted in Germany, Bewertungen) und zwei zentrale Handlungsaufforderungen:

 „Demo-Video ansehen” und „Mit Google registrieren”.

Die zentrale Frage jeder Landingpage-Analyse lautet: Verstehen Besucher das Angebot und finden sie den Weg in den Funnel?

Sehen wir uns die Daten an und starten wir die Analyse.

1. Klickdaten: Worauf die Besucher wirklich klicken

Die Klick-Heatmap ordnet alle Elemente nach Klickhäufigkeit. Die Top-Interaktionen im Auswertungszeitraum:

Rang Element Klicks Anteil
1
Login
14
17,07 %
2
Preise
12
14,63 %
3
Impressum
4
4,88 %
4
Exposé-Check (kostenlos)
4
4,88 %
5
Propspector-Logo
3
3,66 %

Drei Beobachtungen stechen heraus:

„Login” ist das meistgeklickte Element : noch vor jeder Conversion-Schaltfläche. Das ist erklärungsbedürftig. Entweder verfügt Propspector bereits über einen soliden Stamm wiederkehrender Nutzer – oder Neubesucher klicken „Login” in der Annahme, so den Einstieg zu starten, obwohl der eigentliche Weg über „Jetzt Testen” bzw. „Mit Google registrieren” führt. Beide Interpretationen haben völlig unterschiedliche Konsequenzen. Ein Blick in die Clarity-Sitzungsaufzeichnungen (und auf „Dead Clicks”) würde hier schnell Klarheit schaffen.

„Preise” ist das zweitstärkste Element. Das Interesse am Preis ist ausgeprägt. Besucher suchen aktiv danach. Preisinformationen, die man erst suchen muss, erzeugen Reibung. Ein Preis-Teaser näher an der primären Handlungsaufforderung könnte diese Reibung senken.

„Impressum” mit knapp 5 % ist ungewöhnlich hoch. Bei einer noch jungen Marke ist das ein typisches Vertrauenssignal: Besucher prüfen, wer hinter dem Angebot steht, bevor sie Dokumente hochladen. Das unterstreicht, wie wichtig sichtbare Seriosität „above the fold” ist. Gerade bei einem sensiblen Thema wie Immobilienunterlagen.

Auffällig ist zudem, was nicht dominiert: Die primären Hero-CTAs erhalten im Verhältnis zur Navigation erstaunlich wenige Klicks. Die Navigation zieht Aufmerksamkeit vom eigentlichen Funnel ab. Dies ist ein erstes Warnsignal.

2. Scrolldaten: Der Abbruch passiert ganz oben

Die Scroll-Analyse macht das Warnsignal messbar:

Scrolltiefe Besucher Anteil
5 %
123
100 %
10 %
52
42,28 %
25 %
37
30,08 %
50 %
31
25,20 %
65 %
26
21,14 %

Der mit Abstand größte Sprung liegt zwischen 5 % und 10 % Scrolltiefe: Fast 58 % der Besucher verlassen die Seite, bevor sie über das erste Zehntel hinauskommen. Wer diese Hürde nimmt, bleibt danach jedoch bemerkenswert stabil: Von 10 % bis 65 % Scrolltiefe fällt die Kurve nur noch von rund 42 % auf 21 %. Dies ist ein flacher, gesunder Verlauf.

Die Botschaft ist eindeutig: Der Engpass ist der obere Seitenbereich. Nicht die Länge der Seite, nicht die unteren Abschnitte. Die Entscheidung „bleiben oder gehen” fällt fast vollständig im Hero. Genau hier lohnt sich der größte Optimierungsaufwand, weil hier das größte Volumen verloren geht.

3. Aufmerksamkeitsdaten: Ein Tal in der Mitte und ein Peak, den kaum jemand erreicht

Die Aufmerksamkeitsdaten zeigen, wie viel Zeit Besucher pro Abschnitt verbringen (Anteil an der Sitzungslänge):

Abschnitt Ø Zeit Anteil
0–5 % (Hero)
08:24
21,68 %
5–10 %
02:18
5,93 %
10–15 %
00:26
1,15 %
20–25 %
00:23
1,03 %
30–35 %
03:36
9,28 %
35–40 %
07:23
19,07 %
40–45 %
08:50
22,79 %
50–55 %
00:16
0,70 %

Hier zeigt sich ein klares bimodales Muster:  zwei Aufmerksamkeitsgipfel mit einem Tal dazwischen:

  • Peak 1 – der Hero (0–10 %): Hier konzentriert sich ein Großteil der Aufmerksamkeit. Besucher lesen Headline und Nutzenversprechen, überlegen, ob das Angebot für sie relevant ist.
  • Das Tal (10–30 %): Dramatischer Einbruch. In diesen Abschnitten verweilen Besucher im Schnitt nur 20 bis 30 Sekunden. Dieser Bereich wird überflogen, nicht gelesen und damit hält er niemanden.
  • Peak 2 (30–45 %): Der stärkste Aufmerksamkeitsblock der gesamten Seite. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Abschnitt, der das Produkt konkret zeigt. Der beispielhafte Prüfbericht, das „So funktioniert’s”. Hier entsteht der „Aha-Moment”.

Und genau darin liegt das Kernproblem: Der überzeugendste Teil der Seite liegt bei 30–45 % Scrolltiefe , aber laut Scrolldaten erreicht ihn nur noch rund ein Viertel der Besucher. Der Inhalt, der Menschen tatsächlich fesselt, kommt zu spät. Die Mehrheit ist längst am Hero abgesprungen, bevor sie ihn je zu sehen bekommt.

Synthese: Die drei Ansichten erzählen eine gemeinsame Geschichte

Kombiniert man die drei Perspektiven, ergibt sich ein stimmiges Bild:

  1. Der Hero entscheidet fast alles (58 % Abbruch, höchste Aufmerksamkeit).
  2. Direkt danach folgt ein „Tal des Todes” (10–30 %), das übersprungen wird und Besucher verliert.
  3. Der stärkste Inhalt liegt zu tief (30–45 %) und wird von der Mehrheit nie erreicht.

Aus dieser Diagnose lassen sich konkrete, testbare Handlungsempfehlungen ableiten:

  • Den „Aha-Moment” nach oben ziehen. Ein Vorschau des tatsächlichen Prüfergebnisses, der Teil, der bei 30–45 % die meiste Aufmerksamkeit bindet. Dies gehört näher an den Hero. Wer früh sieht, was das Tool liefert, hat einen Grund zu bleiben.
  • Den Hero fokussieren. Zwei gleichwertige CTAs („Demo ansehen” vs. „Registrieren”) können zu Entscheidungslähmung führen. Ein Test mit einer klar dominanten primären Handlungsaufforderung ist naheliegend.
  • Das Mittelfeld straffen. Was zwischen 10 % und 30 % steht, wird überflogen. Diesen Abschnitt komprimieren, scanbarer gestalten oder durch Beweismittel (Beispielbericht, Testimonials) ersetzen.
  • Preise sichtbarer machen. „Preise” ist der zweithäufigste Klick. Ein Preis-Teaser in Hero-Nähe reduziert die Sucharbeit.
  • Login vs. Registrierung klären. Da „Login” das meistgeklickte Element ist: über Sitzungsaufzeichnungen prüfen, ob Neubesucher hier fälschlich einsteigen. Falls ja, sollte der Registrierungs-Pfad optisch klar vor dem Login stehen.
  • Vertrauen nach oben. Die hohen Impressum-Klicks zeigen aktives Prüfen der Seriosität. Vertrauenssignale (DSGVO, Hosting in Deutschland, bankenkonformer Prüfstandard, Bewertungen) gehören prominent in den oberen Bereich.

Wichtig: Daten sauber einordnen

Als datengetriebene Agentur legen wir Wert auf ehrliche Einordnung. Gute Analyse heißt auch, die Grenzen der Daten zu kennen:

  • Die Stichprobe ist klein. 123 Besucher und rund 82 Klicks über den Zeitraum sind ein richtungsweisendes, kein statistisch belastbares Signal. Die Muster sind plausibel, sollten aber über eine größere Datenmenge bestätigt werden.
  • Aufmerksamkeitszeiten mit Vorsicht lesen. Durchschnittliche Verweilzeiten können durch inaktive Tabs verzerrt sein. Aussagekräftig ist hier vor allem das relative Muster (Peak – Tal – Peak), nicht der absolute Minutenwert.
  • Heatmaps zeigen das „Was”, nicht das „Warum”. Der nächste logische Schritt sind Clarity-Sitzungsaufzeichnungen sowie die Auswertung von „Rage Clicks” und „Dead Clicks”, um die Hypothesen zu verifizieren, bevor umgebaut wird.

Fazit

Microsoft Clarity verwandelt eine Landingpage von einer Vermutung in ein lesbares Verhaltensprotokoll. Schon aus drei Ansichten: Klicks, Scrolltiefe, Aufmerksamkeit, lässt sich für propspector.de eine klare Priorität ableiten: Der Hebel liegt im oberen Seitenbereich, und der überzeugendste Inhalt gehört weiter nach oben. Kein Bauchgefühl, sondern eine testbare Hypothese, direkt aus dem Nutzerverhalten.

Genau so arbeiten wir bei IT-WINGS: Wir machen Nutzerverhalten sichtbar, leiten daraus fundierte Handlungsempfehlungen ab und begleiten die Umsetzung. Von der Analyse bis zum A/B-Test. Sie möchten wissen, was Ihre eigene Landingpage über sich verrät?

4.9/5

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